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Zürich – Forschende der Universität Zürich und des Universitäts-Kinderspitals arbeiten an einer besseren Therapie bösartiger Tumore des Nervensystems bei Kindern. Eine spezielle Diät soll das Tumorwachstum bremsen und Gesundung fördern.
(CONNECT) Ein Forschungsteam der Universität Zürich (UZH) und des Universitäts-Kinderspitals arbeitet an neuen Therapien von bösartigen Tumoren des kindlichen Nervensystems, sogenannten Neuroblastomen. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, sollen diese Therapien nicht nur das Wachstum von Tumorzellen stoppen, sondern diese auch in gesunde Nervenzellen umwandeln.
Im Zentrum des neuen Therapieansatzes steht die Kombination des neu in der Schweiz zugelassenen Medikaments Difluoromethylornithin (DFMO) mit einer speziellen Diät, in der auf die Gabe der Aminosäuren Arginin und Prolin gezielt verzichtet wird. DFMO hemmt die Produktion von Polyaminen, die ein wichtiger Wachstumsfaktor für Neuroblastome sind. Die Diät unterstützt diese hemmende Funktion.
„Wir haben entdeckt, dass sich in Mäusen die Wirksamkeit von DFMO mehr als verdoppeln lässt, wenn gleichzeitig unter kontrollierten Bedingungen eine gezielte, arginin- und prolinfreie Diät angewendet wird“, wird Forschungsleiter Raphael Morscher in der Mitteilung zitiert. „Die Diät verstärkt die Wirkung des Medikaments, da sie zusätzlich die Bildung von Polyamin-Vorstufen hemmt.“
Die Behandlung regt anstelle unkontrollierten Wachstums der Tumorzellen deren Reifung und Wandlung in reifere Nervenzellen an. In einem weiteren Schritt wollen die Forschenden in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern die klinische Anwendung prüfen. Dabei soll die Diät mit einem entsprechenden Enzym ersetzt werden. Ziel ist, betroffenen Kindern eine neue und schonendere Behandlung zu ermöglichen. Die Ergebnisse sind jüngst in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht worden. ce/ww

Forschende der Universität Zürich arbeiten an neuen Therapien gegen bösartige Tumore des kindlichen Nervensystems. Symbolbild: Herney/Pixabay
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Zürich – Forschende der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) haben ein Gerät entwickelt, das in kurzer Zeit tausende winzige Tropfen mit Enzymen und Substraten erzeugen und analysieren kann. Die ETH hat die Technologie patentieren lassen und will sie in einer Ausgründung zur Marktreife bringen.
(CONNECT) Forschende der ETH haben ein Verfahren entwickelt, mit dem Mikrofluid-Tests in der Medikamentenentwicklung schneller und ressourcenschonender durchgeführt werden können. Ausgangspunkt ist eine Technologie, mit der sich bis zu 100'000 winzige Tropfen präzise auf einer Glasplatte in der Grösse eines Objektträgers für ein Mikroskop platzieren lassen, informiert die ETH in einer Mitteilung. Die Platte ist mit einer wasserabweisenden Schicht überzogen, die an den bis zu 100'000 Landepunkten für die Tropfen unterbrochen ist. Zur Stabilisierung der Tropfen liegt die Platte in einem flachen Ölbad.
Die Platzierung der Tropfen erfolgt in einem von den Forschenden entwickelten Gerät. Hier lässt sich die Zusammensetzung der Tropfen in präziser Steuerung variieren. Im Gerät können die Proben zudem mikroskopiert und über mehrere Tage hinweg kultiviert werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Verfahren fällt bei der Methode der ETH kaum Plastikabfall und ein wesentlich geringerer Chemikalienverbrauch an.
Die ETH hat die Methode patentieren lassen und die Erfindung für das Finale ihres Spark Awards 2025 nominiert. Die Forschenden wollen das Verfahren über eine Ausgründung zur Marktreife bringen. Neben dem Gerät selbst sollen dabei auch Softwarelösungen entwickelt werden, mit der die Informationen aus den Experimenten analysiert werden können. „Für mich ist entscheidend, dass das System wirklich zuverlässig und einfach zu bedienen wird“, wird Forschungsgruppenmitglied Claudius Dietsche in der Mitteilung zitiert. ce/hs

Forschende der ETH haben ein mikrofluidisches Verfahren entwickelt, das Medikamententests schneller und ressourcenschonender macht. Bild: Breitfeld et. al.
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Zürich – Die Beschäftigung am Werkplatz Zürich ist zwischen 2011 und 2023 um 10 Prozent gesunken. Wichtige Branchen wie Nahrungs- und Genussmittel, elektrische, elektronische und optische Geräte sowie Maschinenbau florieren aber. Insgesamt wurde in der Stadt 2023 ein Rekord von fast 546’000 Stellen erzielt.
(CONNECT) Die Beschäftigung in der Stadt Zürich hat mit knapp 546'000 Stellen 2023 einen neuen Rekordwert erreicht. Die Zahl der Beschäftigten am Werkplatz Zürich ging hingegen zwischen 2011 und 2023 um 10 Prozent auf 56'900 Personen zurück, informiert die Stadtentwicklung Zürich in einer Mitteilung zu ihrer aktuellen Werkplatzstudie. Sie fasst unter dem Begriff Werkplatz Unternehmen zusammen, die in der Herstellung, der Montage, dem Unterhalt und der Reparatur von Waren und Infrastruktur sowie in Logistik, Lagerhaltung, Bau oder Grosshandel aktiv sind.
Den grössten Einbruch hat die Stadtentwicklung im Berichtszeitraum in der Bauwirtschaft beobachtet. Hier ging die Zahl der Beschäftigten um 26 Prozent auf 11'563 Personen zurück. Im Grosshandel fiel die Zahl der Beschäftigten 2023 mit 15'333 Personen um 12 Prozent tiefer als 2011 aus. Allerdings habe sich der Grosshandel mit Nahrungsmitteln und Getränken als bedeutendste Teilbranche durchweg positiv entwickelt, erläutern die Fachleute der Stadtentwicklung. Sie haben zudem einen Stellenausbau um 1 Prozent auf 13'384 Beschäftigte in der Produktion registriert. Hier florierten die drei grössten Teilbranchen Nahrungs- und Genussmittel, elektrische, elektronische und optische Geräte sowie Maschinenbau seit 2017 mit zweistelligen Wachstumsraten.
„Die Unternehmen des Werkplatzes sind wichtig für eine diversifizierte Wirtschaft in Zürich“, wird Anna Schindler in der Mitteilung zitiert. Neben dem Angebot von Arbeits- und Ausbildungsplätzen im technischen und Handwerksbereich spielen sie nach Ansicht der Direktorin der Stadtentwicklung auch „eine zentrale Rolle in der Versorgung der Stadt und für das Funktionieren der städtischen Infrastruktur“. ce/hs

Die Beschäftigung in der Bauwirtschaft und im Grosshandel ist in Zürich zwischen 2011 und 2023 gesunken, in wichtigen Branchen der Produktion dagegen gestiegen. Symbolbild: Henrique Ferreira/Unsplash
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Zürich – Forschende der Universität Zürich (UZH) sind einem Ansatz für die Beschleunigung von Wundheilung auf der Spur. Er basiert auf Immun-Checkpoint-Inhibitoren, die die Immunantwort regulieren. Hier hat das Team um Nicole Joller herausgefunden, wie der Inhibitor TIGIT die Gewebereparatur fördert.
(CONNECT) Ein Team von Forschenden der UZH unter Leitung von Nicole Joller, Professorin für Immunologie am Institut für Quantitative Biomedizin der Universität, forscht an neuen Möglichkeiten bei der Gewebeheilung. Sie haben dafür die Wirkungsweise des Immun-Checkpoint-Inhibitors TIGIT untersucht, informiert die UZH in einer Mitteilung. Immun-Checkpoint-Inhibitoren sitzen auf der Oberfläche von Immunzellen und schützen den Körper vor einer zu starken Immunantwort.
Aus früheren Forschungen ist bekannt, dass TIGIT Mäuse im Falle einer Infektion in gewissem Masse vor Gewebeschäden schützt. Die genauen Mechanismen waren aber bisher unbekannt, erläutert Joller in der Mitteilung. Ihr Team hat dieses Rätsel nun gelöst.
Zunächst zeigten die Forschenden dazu den direkten Zusammenhang von TIGIT und der Wundheilung auf: Im Tierversuch entwickelten Mäuse ohne das Gen für TIGIT grössere Gewebeschäden nach einer Infektion als die Kontrollgruppe mit TIGIT. Im nächsten Schritt wurden dann Immunzellen mit und ohne TIGIT auf der Oberfläche verglichen. Hier reagierten nur Immunzellen mit TIGIT auf das Virus mit einem Wachstumsfaktor, der Reparaturmechanismen aktiviert.
„Dies wirft ein neues Licht auf die Balance zwischen Immunabwehr und Gewebeschutz“, meint Joller. Ihr zufolge helfen die Forschungsergebnisse, bei viralen Infektionen entstehende Gewebeschäden besser zu verstehen. Zudem könnten sie zur Entwicklung neuer Therapien etwa bei Leberfibrose oder der Heilung chronischer Wunden beitragen. „Hier besteht die Möglichkeit, den TIGIT-Checkpoint zu aktivieren und damit die Regeneration zu beschleunigen“, meint Joller. ce/hs

Ein Team von Forschenden der UZH forscht an neuen Möglichkeiten bei der Gewebeheilung. Symbolbild: Louis Reed/Unsplash
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Schlieren ZH – Das Schlieremer Biopharma-Unternehmen Neurimmune hat in einer Phase 2-Folgestudie den ersten Patienten behandelt. In der Studie wird das Mittel Cliramitug zur Behandlung der Herzkrankheit Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie getestet.
(CONNECT) Neurimmune hat einem ersten Patienten in einer neuen Studie zum Mittel Cliramitug eine Dosierung verabreicht, wie aus einer Mitteilung des Schlieremer Biopharma-Unternehmens hervorgeht. Cliramitug dient der Behandlung von Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie (ATTR-CM), einer seltenen und lebensbedrohlichen Herzerkrankung.
In der Folgestudie wird die Wirkung und Sicherheit des Mittels überprüft. Es sind ausschliesslich Patienten dafür rekrutiert worden, die sich zuvor bereits an einer Machbarkeitsstudie für Cliramitug beteiligt haben. Neurimmune ist im Rahmen einer Lizenzvereinbarung mit Alexion Pharmaceuticals aus Boston im US-Bundesstaat Massachusetts für die Durchführung der Phase-2-Folgestudie verantwortlich. Alexion selbst, die als Teil von AstraZeneca auf seltene Krankheiten spezialisiert ist, führt aktuell eine Phase-3-Studie zur Effizienz des Mittels durch.
„Der Start dieser Phase-2-Folgestudie ist ein wichtiger Schritt in unserer Zusammenarbeit mit Alexion, der es uns ermöglicht, unser Verständnis der langfristigen Behandlungseffekte von Cliramitug zu erweitern“, wird Christoph Hock in der Mitteilung zitiert, leitender Mediziner bei Neurimmune.
Neurimmune wurde 2006 aus der Universität Zürich ausgegliedert und hat seinen Sitz im Bio-Technopark Schlieren-Zürich. ce/jh

Das Biopharmaunternehmen Neurimmune hat einen Patienten im Rahmen einer Phase-2-Folgestudie behandelt. Symbolbild: National Cancer Institute/Unsplash
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Zürich/St.Gallen/Nijmegen – Forschende aus Zürich, von der Empa und der niederländischen Radboud Universiteit entwickeln ein Implantat aus dem 3D-Drucker. Es soll gegen Hornhautschäden am Auge helfen, die das Sehen beeinträchtigen.
(CONNECT) Universität Zürich, Tierspital Zürich, Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) und die niederländische Radboud Universität aus Nijmegen forschen laut einer Medienmitteilung an einem transparenten, bioverträglichen und selbstklebenden Implantat aus dem 3D-Drucker. Es soll Defekte an der Hornhaut des Auges beseitigen.
Von der Lösung profitieren laut Mitteilung weltweit Millionen Betroffene, deren eigene Hornhaut durch Infektionen, Verletzungen oder Fehlbildungen geschädigt ist. Damit ist für sie der Schutz des Auges nicht mehr gegeben. Folgen seien Sichteinschränkungen bis hin zu Blindheit. Nur 100'000 Betroffenen pro Jahr könne mit einer operativen Transplantation von Hornhautgewebe geholfen werden. Der Grund seien fehlende Spender für den hohen Bedarf an Gewebespenden.
Die Forschenden arbeiten darum an einem selbstklebenden Implantat, welches ohne Gewebespenden auskommt und vom Auge nicht abgestossen wird. Herzstück ist nach Worten von Empa-Forscher Markus Rottmar vom Biointerfaces-Labor in St.Gallen ein bioverträgliches Hydrogel aus Kollagen und Hyaluronsäure, das mit Zusatzstoffen versehen wird, um einen hohen Grad an biomechanischer Stabilität zu bieten. „Das 3D-Extrusions-Bioprinting erlaubt es, das Implantat massgeschneidert auf die individuelle Hornhautwölbung der Patientinnen und Patienten zu fertigen“, wird er zitiert.
Im nächsten Schritt des von einer Stiftung unterstützten Projekts arbeiten die Forschenden an einem Weg, um das Hydrogel mit menschlichen Stammzellen aus dem Auge zu versehen. Die künstliche Hornhaut soll sich per 3D-Druck herstellen lassen und die Geweberegeneration verbessern, heisst es.
Bei der Behandlung seien zudem keine chirurgischen Nähte nötig. Das verhindere „längere Operationszeiten und postoperative Komplikationen wie Infektion, Narbenbildung oder Entzündungen“. ce/heg

Empa-Forscherin Hien Le arbeitet an einer künstlichen Hornhaut aus Hydrogel für Menschen mit Sehbeeinträchtigung. Bild: Empa
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Zürich – Forschende der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) haben ein Werkzeug entwickelt, mit dem sich DNA-Datensätze in Sekunden durchsuchen lassen. Die Computerfachleute stellen ihr MetaGraph als Open-Source-Tool frei zur Verfügung.
(CONNECT) Forschende der ETH haben ein Werkzeug entwickelt, mit dem sich die Rohdaten aller in Datenbanken gespeicherten DNA-Sequenzen durchsuchen lassen. Bisher mussten Forschende bei der Suche auf beschreibende Metadaten zurückgreifen oder die jeweiligen Datensätze herunterladen, um an die Rohdaten zu gelangen. Mit dem erstmals 2020 vorgestellten und seither laufend verbesserten ETH-Werkzeug MetaGraph lassen sich die Datensätze nun hingegen mit einer Volltextsuche durchforsten, informiert die ETH in einer Mitteilung.
„Es handelt sich um eine Art Google für DNA“, wird Gunnar Rätsch, Datenwissenschaftler am Institut für Informatik an der ETH, in der Mitteilung zitiert. Interessierte können MetaGraph bereits für eigene Abfragen nutzen. Rätsch und seine Mitforschenden stellen MetaGraph zudem als Open-Source-Tool frei zur Verfügung.
In einer am 8. Oktober im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichten Studie wird die Funktionsweise des Werkzeugs dargelegt. Vereinfacht erklärt indiziert MetaGraph die Daten und stellt sie in komplexen mathematischen Graphen dar. „Mathematisch gesehen handelt es sich um eine riesige Matrix mit Millionen von Spalten und Billionen von Zeilen“, erläutert Rätsch. Dabei verknüpfen er und seine Mitforschenden die Roh- und Metadaten und komprimieren sie um etwa das 300-Fache.
Etwa die Hälfte der weltweit verfügbaren Sequenz-Datensätze wurde bereits für MetaGraph indiziert. Die übrigen Datensätze sollen bis Ende Jahr folgen. ce/hs

ETH-Forschende können mit MetaGraph DNA-Datensätze durchsuchen. Symbolbild: Warren Umoh/Unsplash
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Beim KI-Hype mittendrin statt nur dabei: Der Bevölkerungsanlass «Hello, AI!» des Zurich AI Festivals in Zürich bot am 2. Oktober Einblick in die Technologie – und Antworten auf die Frage, was sie bewirkt. Die Veranstaltung zeigte aber auch: Jeder kann selbst aktiv werden.
«Wenn wir möchten, dass Künstliche Intelligenz unseren eigenen Werten entspricht, müssen wir die Technologie aktiv mitgestalten», mit diesem Statement eröffnete Fabian Streiff, Chef des Amts für Wirtschaft des Kantons Zürich, den Bevölkerungsanlass «Hello, AI!» des Zurich AI Festivals. Und er motivierte auch das Publikum: «Die Schweiz lebt von der Innovationskraft – und dafür brauchen wir Menschen, die aktiv mitgestalten. Deshalb: Seien Sie mutig, seien Sie kreativ.»
Kreativ? Mutig? Die Gedanken des IT-Fachmanns Daniel (56) im Publikum drehten sich noch um grundlegendere Fragen, wie: Was passiert mit unseren Daten? Was macht KI mit unserer Gesellschaft? Und müsste IT an Schulen nicht eine grössere Rolle spielen?
KI ergänzt unsere Intelligenz
Genau auf solche Fragen gingen die Vorträge ein – und machten Mut zur Eigeninitiative. Denn, so Gründer des Swiss Healthcare Startups und Comedian Fabian Unteregger: «Wir können das Rad nicht zurückdrehen». So wie das Auto in einer Welt der Pferdekutschen eine Zäsur darstellte – so verändert KI nun unser Leben.
Diese Umwälzung schürt auch Ängste – denen Unteregger mit seinem Verständnis der Technologie entgegentrat. So erklärte er, die KI braucht eine enorme Rechenleistung, allein um die simple Aussage «Ich schlafe auf der Bank» zu verstehen. Menschen hingegen wissen direkt, dass eine Park- und keine Geldbank gemeint ist. Deshalb sei KI «Ergänzung und nicht Ersatz unserer Intelligenz», wie er meint.
Die Verantwortung liegt bei uns
Damit die KI sich in der menschlichen Sprache zurechtfindet, braucht sie eine «Karte» mit rund 13'000 Dimensionen – und doch beeinflusst sie uns. «KI prägt unsere Sprache – und damit auch unser Verhalten», betonte Nathalie Klauser, Gründerin des KI-Startups Intersections.
So hat eine Studie des Max-Planck-Institut gezeigt, dass seit dem Auftauchen von KI bestimmte Wörter (z.B.: delve, swift, comprehend – vertiefen, rasch, begreifen) deutlich öfter gebraucht werden – und das selbst von Menschen, die KI nicht aktiv nutzen. Angesichts dieser kulturellen Rückkopplung ist es für Klauser essenziell, dass KI so gebaut wird, dass sie uns nicht schadet – und dafür muss die Gesellschaft sorgen: «Am Ende sind immer wir Menschen verantwortlich.»
KI müsse technisch robust, rechtmässig und ethisch vertretbar sein. Dass das möglich ist, zeigen etwa Tools wie Goblin, eine KI, die neurodivergenten Menschen hilft, Aufgaben – wie den Frühjahrsputz – strukturiert anzugehen. Gleichzeitig gebe es aber auch ethisch Problematisches. So optimierte der Logistikdienstleister Planzer seine Routen mit KI. Das Ergebnis: Mitarbeitende hatten keine Zeit mehr auf die Toilette zu gehen.
Es gibt sie – die «gute» KI
Dass eine Künstliche Intelligenz, die rechtlichen und ethischen Werten gerecht wird, möglich ist, beweist Apertus. Die von Schweizer Universitäten entwickelte KI ist das erste System, das den europäischen «AI Act» erfüllt – und damit auch die Kriterien, die Klauser fordert: Kontrolle, Rechtschaffenheit, Transparenz und Partizipation.
«Mit Apertus tragen wir zur Forschungs- und Entwicklungsautonomie unseres Standortes bei», betont der Forscher Imanol Schlag. Denn anders als die Anwendungen grosser KI-Unternehmen sei Apertus nicht profitorientiert. Deshalb konnten sich die Forscher bei der Entwicklung auch an den Interessen der Gesellschaft orientieren.
Und so hat sogar ein Stück Schweizer Identität Platz in der KI: Apertus «spricht» auch ein wenig «Schwiizerdütsch». Trotzdem sei es ein Modell für die Welt: «Die genutzten Daten spiegeln die Vielfalt des Internets wider – rund 40 Prozent der Trainingsdaten sind nicht Englisch.»
Jugendliche gehen mit eigenen KI-Projekten voran
Dass KI nicht nur ein Tool für Forschungslabore oder Techgiganten ist – beweist die Schweizer Jugend: In der KI-Challenge widmeten sich Schülerinnen und Schüler der Entwicklung eigener KI-Anwendungen – und wurden dafür ausgezeichnet.
Mitul und Tanish entwickelten den «AI Personal Trainer» und gewannen damit die Kategorie «AI for Good». Die Software hilft bei Reha-Übungen – und macht Physiotherapie so für alle zugänglich.
Levin überzeugte in der Kategorie «Creative Coding» mit «Mentis», einer Software, die eigene Notizen sortiert und alte mit neuen Ideen verknüpft, um Gedanken klarer zu strukturieren. Levin hat viel gelernt: «Meine Sicht auf KI hat sich verändert: Ich bin positiv überrascht, aber – weil ich sie jetzt besser verstehe – auch ein wenig entzaubert.»
KI-Challenge 2025
Die Challenge wird vom ETH AI Center in Zusammenarbeit mit dem Amt für Wirtschaft, Kanton Zürich, sowie den Kantonen Schwyz und Zug organisiert. Dieses Jahr waren knapp 100 Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren mit dabei. Zwischen Januar und August hatten sie – mit der Hilfe von Doktorierenden des ETH AI Centers – ihre Ideen in Code übersetzt.
Finalistinnen und Finalisten waren:
Ideen haben alle
Mit seinem Projekt überzeugte Levin auch Asel-Maria (48). Sie besuchte die Veranstaltung, weil sie die KI – die ihr unheimlich ist – besser verstehen wollte. Alle Ängste wurden ihr zwar nicht genommen, aber Programme wie Mentis findet sie besonders für Jugendliche hilfreich und wichtig.
Und auch im Publikum entstanden spontane Ideen: etwa eine Streithilfe, ein Matching-Tool für die grosse Liebe, ein Chemie-Assistent oder ein intelligentes Fotoalbum.
Die Botschaft der Veranstaltung war deutlich: KI betrifft uns – und wir alle können sie auch mitgestalten.

Gruppenfoto aller Finalistinnen, Finalisten und Jurymitglieder der KI Challenge 2025 am Zurich AI Festival – ein starkes Zeichen für den Innovationsgeist junger Talente in der Schweiz. Quelle: Bo Yann

Fabian Unteregger erklärt mit Humor und anschaulichen Beispielen, wie Sprachmodelle wie ChatGPT funktionieren. Quelle: Bo Yann

Comedian und Arzt Fabian Unteregger verbindet Humor und Wissenschaft, um das Publikum für die Möglichkeiten und Grenzen der Künstlichen Intelligenz zu begeistern. Quelle: Bo Yann

Nathalie Klauser spricht über die gesellschaftliche Verantwortung im Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Quelle: Bo Yann

Nathalie Klauser, Gründerin des KI-Startups Intersections, im Gespräch mit Moderatorin Kathrin Hönegger über ethische Fragen und Verantwortung in der Künstlichen Intelligenz am Bevölkerungsanlass «Hello, AI!» des Zurich AI Festivals. Quelle: Bo Yann

Forscher Imanol Schlag erklärt am «Hello, AI!»-Anlass, warum die Schweiz mit Projekten wie Apertus eigene KI-Modelle entwickelt, um Autonomie, Transparenz und europäische Werte zu stärken. Quelle: Bo Yann

Juror Thomas Fuchs richtet das Wort an die Teilnehmenden der KI Challenge 2025. Quelle: Bo Yann

Mitul und Tanish gewinnen mit ihrem Projekt AIPT – AI Personal Trainer – die Kategorie «AI for Good» der KI Challenge 2025. Der Preis wurde im Rahmen des Zurich AI Festivals übergeben. Quelle: Bo Yann

Levin Niederer aus Zürich gewinnt mit seiner Anwendung «Mentis» in der Kategorie Creative Coding die KI Challenge 2025. Überreicht wurde der Preis von Juror Daniel Stüssi. Quelle: Bo Yann

Thibault aus Fribourg erhält für seine Abschlussarbeit «Trendvorhersage» den Spezialpreis der KI Challenge 2025. Die Preisübergabe erfolgte durch Juror Markus Müller. Quelle: Bo Yann

Das Publikum verfolgt gespannt die Präsentationen am Bevölkerungsanlass «Hello, AI!» des Zurich AI Festivals. Quelle: Bo Yann
Aktuelles
Zürich – Eine Gruppe von Forschenden unter Leitung der Universität Zürich (UZH) hat den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Risikovorhersage für einen Herzinfarkt erprobt. Ihr Modell ermöglicht präzisere Aussagen als bisher, wann eine frühe Behandlung mit einem Herzkatheder angesagt wäre.
(CONNECT) Eine internationale Gruppe von Forschenden unter Leitung der Universität Zürich hat den Einsatz von KI bei der Analyse des Risikos für die häufigste Form des Herzinfarkts untersucht. Die Forschenden haben dafür die klinischen Studiendaten von über 600'000 Patientinnen und Patienten in der VERDICT-Studie mithilfe von Künstlicher Intelligenz neu ausgewertet. Die Ergebnisse zeigten, dass KI das Risiko für das sogenannte akute Koronarsyndrom ohne ST-Hebung präziser als die bisherige Methode des GRACE-Scores einschätzen kann, schreibt die UZH in einer Mitteilung.
Die Forschenden trainierten ihr KI-Modell auf die Identifikation von Patientinnen und Patienten, bei denen eine frühe Herzkathederbehandlung angebracht sein könnte. „Indem wir die klinischen Studiendaten erneut analysiert haben, hat unser Modell GRACE 3.0 gelernt, wer tatsächlich von einer frühen invasiven Behandlung profitiert – und wer nicht“, wird Studienerstautor Florian A. Wenzl in der Mitteilung zitiert. „Das könnte helfen, in Zukunft die Versorgung dieser Patient:innen sowie die Herzkreislaufgesundheit nach dem Infarkt zu verbessern.“ Der Wissenschaftler am Zentrum für Molekulare Kardiologie der UZH forscht auch am National Health Service in England.
Die Forschenden werten ihre Ergebnisse als Indiz dafür, dass sich die derzeitigen Behandlungsstrategien teilweise an die falschen Patientinnen und Patienten richten. Sie halten eine umfassende Neustratifizierung der Versorgung für angebracht. Ihr GRACE 3.0-Score soll bei der individuelleren und wirksameren Versorgung helfen. ce/hs

Forschende an der Universität Zürich haben den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Analyse des Risikos für die häufigste Form des Herzinfarkts untersucht. Symbolbild: Jair Lázaro/Unsplash
Aktuelles
Zürich – Beyond Gravity hat seine Fläche für die Produktion von Mechanismen zur Ausrichtung der Solarflügel von Satelliten verdoppelt. Das Raumfahrtunternehmen stellt nun 200 statt 36 Einheiten pro Jahr her. Wenn die Nachfrage in den USA weiter wächst, soll auch in Florida ausgebaut werden.
(CONNECT) Die Nachfrage nach Mechanismen für die Ausrichtung von Solarflügeln für Satelliten wächst. Beyond Gravity hat deshalb seine Produktionsfläche für diese Komponenten in Zürich laut einer Mitteilung verdoppelt. Das Raumfahrtunternehmen des Bundes stellt nun 200 dieser Einheiten her statt wie bis anhin 36. In diesem Jahr seien bereits mehr Einheiten ausgeliefert worden als in den drei vorangegangenen Jahren zusammengenommen.
Beyond Gravity arbeitet bereits an der nächsten Generation von Ausrichtemechanismen. Die Solarflügel sollen dann über zwei Achsen ausgerichtet werden können und damit mehr Energie einfangen können.
Das Unternehmen verkauft seine Komponenten vor allem in Europa und den USA. Sollte die Nachfrage in den USA weiter wachsen, so will Beyond Gravity auch die Kapazität in seinem Werk in Titusville in Florida ausbauen.
Beyond Gravity beschäftigt an zwölf Standorten rund 1800 Mitarbeitende. Ausser in der Schweiz produziert es auch in Finnland, Österreich, Portugal, Schweden und den USA. 2024 hat es einen Umsatz von 359 Millionen Franken erzielt. ce/ug

Beyond Gravity hat an seinem Standort in Zürich die Kapazität für die Produktion von Mechanismen zur Ausrichtung von Solarflügeln von Satelliten mehr als verfünffacht. Bild: Beyond Gravity
Aktuelles
Zürich/Pune – KPIT Technologies Limited ist mit 88,9 Prozent nun Mehrheitsaktionär von N-Dream. Mit der strategischen Investition möchte KPIT sein Angebot für Automobil-Erstausrüster erweitern, indem es die AirConsole von N-Dream in seine Softwaredienste integriert. N-Dream möchte nun seine Belegschaft deutlich erweitern.
(CONNECT) KPIT Technologies Limited, ein indisches Unternehmen mit Sitz in Pune, hat seinen Anteil am Zürcher Start-up N-Dream auf 88,9 Prozent erhöht. Laut einem Beitrag von Startupticker möchte KPIT mit der 16,35 Millionen Euro schweren Übernahme die AirConsole von N-Dream in seine Softwaredienste integrieren. Das Unternehmen könne so sein Angebot erweitern und neue, monetarisierbare Erlebnisse für Automobilkunden schaffen. Nach der Übernahme wird N-Dream als Tochtergesellschaft von KPIT agieren.
Die AirConsole, eine Online-Videospielkonsole von N-Dream, basiert auf einer Cloud-OTA (Over-the-Air)-Technologie, die mobiles Gaming auf Fahrzeug-Entertainmentsystemen ermöglicht. Die Konsole bietet über 180 Spiele verschiedener Genres, wie UNO Car Party, Pictionary Car Party oder PAC-MAN. N-Dream bedient bereits Automobilkunden wie BMW, Audi, Volkswagen und Porsche.
KPIT investierte 2023 und 2024 erstmals als Minderheitsbeteiligte in N-Dream und hat ihren Anteil über die Tochtergesellschaft KPIT Technologies (UK) Limited auf insgesamt 88,9 Prozent des Eigenkapitals erhöht. Die Investition in N-Dream sei Teil der Strategie von KPIT, Automobil-Erstausrüstern die Verbesserung von Fahrer- und Beifahrererlebnissen zu ermöglichen. Gleichzeitig möchte KPIT den Automobilkunden von N-Dream ergänzende Softwareintegrations- und Validierungsdienste anbieten. „Gemeinsam mit KPIT gestalten wir die Zukunft des In-Car-Entertainments und definieren neu, wie Menschen unterwegs Spass haben können“, erklärt Ondrej Zak, Head of Operations bei N-Dream.
Nach der Übernahme wird N-Dream alle 20 Mitarbeitenden behalten und weiterhin vom jetzigen CEO von N-Dream, Anthony Cliquot, geleitet werden. Andrin von Rechenberg bleibt zudem weiterhin Chief of Innovation, während Tobias Schneider ebenfalls als CFO bestehen bleibt. Für 2026 ist die Verdopplung der Mitarbeiterzahl geplant. ce/nta

KPIT wird Mehrheitsaktionär von N-Dream und integriert die AirConsole in seine Softwaredienste. Bild: N-Dream
Aktuelles
Zürich – Die Zurich Insurance Group hat im Rahmen ihres ersten Innovation Festival die zehn Gewinner der diesjährigen Zurich Innovation Championship bekanntgegeben. Neben nexoya aus Zürich und Optimizely Opal sind auch fünf Gewinner der Agentic AI Hyper Challenge und drei siegreiche Alumni ausgezeichnet worden.
(CONNECT) Die Zurich Insurance Group hat im Rahmen ihres ersten Innovation Festival am 16. Oktober die zehn Sieger der Zurich Innovation Championship bekanntgegeben, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Die Gewinner-Start-ups umfassen dabei fünf Sieger der diesjährigen Zurich Agentic AI Hyper Challenge, drei Alumni vorheriger Innovation Championships sowie zwei neue Champions. Dabei handelt es sich um nexoya aus Zürich. Das Unternehmen setzte sich mit seiner durch Künstliche Intelligenz (KI) gestützten Optimierung von Cross-Channel-Marketingstrategien durch. Zweiter Gewinner der diesjährigen Zurich Innovation Championship ist Optimizely Opal aus New York, welches Unternehmen mit digitalen Marketing-Erlebnissen über mehrere Kanäle hinweg unterstützt.
Bei der Agentic AI Hyper Challenge arbeiteten mehr als 1000 Teilnehmende aus 40 Ländern an KI-Lösungen für Schadensbearbeitung, Underwriting, Finanzen und Marketing. AgentricAI aus London, einer der fünf Sieger des grössten Hackathons der Versicherungsindustrie, überzeugte auch bei der Innovation Championship mit Clara, einem KI-Agenten zur Automatisierung von Reisekostenabrechnungen. Dagegen erfasst Interloom aus München mit seiner KI-Plattform organisatorisches Wissen aus täglichen Arbeitsinteraktionen, um den Zurich-Teams und KI-Agenten eine effiziente Zusammenarbeit zu ermöglichen.
Die Etio-Lösung von Wangari Global aus Paris nutzt KI-Agenten zur Automatisierung der Finanzberichterstattung, um Zurich-Finanzteams tiefere Einblicke zu ermöglichen. WordLift aus Rom optimiert mit seiner KI-Plattform die Internetseiten von Zurich, indem es dessen KI-Suchmaschine verbessert. ZuriFault, selbst von einem Zurich-Team entwickelt, verbessert Entscheidungen im Bereich der Haftpflichtversicherung für Kraftfahrzeuge durch Agentic KI.
Neben den Hackathon-Siegern waren ausserdem drei Championship-Alumni vertreten, die weiterhin mit Zurich zusammenarbeiten. So ermöglicht Lisa Insurtech aus Columbus im US-Bundesstaat Ohio, die seit 2022 mit Zurich zusammenspannt, mit ihrer KI-Plattform für Krankenversicherungsansprüche eine effizientere Bearbeitung von 1 Million Ansprüchen jährlich. Sixfold aus New York beschleunigt mit seiner KI-Plattform die Underwriting-Prozesse bei gewerblichen Versicherungen und Nearmap aus Barangaroo in Australien identifiziert mit seinen Bildlösungen und der KI-gestützten Betterview-Plattform die Versicherungsrisiken von Immobilien.
Alle Sieger dürfen künftig mit dem Versicherer als Venture Client weiterhin zusammenspannen, erhalten Zugang zu über 150 Märkten und zu weiterer Eigenkapitalfinanzierung. ce/ja

Nexoya ist mit seiner KI-gestützten Optimierung von Cross-Channel-Marketingstrategien Innovationschampion der Zurich Innovation Championship 2025. Bild: zVg/Nexoya